Zeitgenössische Musik hat es oft schwer, in den Feuilletons, im Hörfunk oder im Fernsehen Aufmerksamkeit, Beachtung, ja oft nur Erwähnung zu finden. Für tief greifende oder umfassende Reflexion fehlen Platz und Sendezeit, so das häufige Argument. Wenn denn nun doch ein Ereignis wie die Donaueschinger Musiktage oder Veranstaltungen bei der musica viva, der Münchener Biennale für neues Musiktheater, bei den Klangspuren Schwaz, beim steirischen herbst oder beim Lucerne Festival in den Medien präsentiert werden, fehlen oft Einschätzungsvermögen, Begeisterung sowie journalistisches Vermittlungstalent.
Diese Gaben vereinigte Reinhard Schulz (1950-2009) auf repräsentative Art. Als äußerst kompetenter Hörer und Beobachter aller zeitgenössischer Musik gelang ihm auf wunderbare Weise eine Symbiose von leidenschaftlicher Hingabe einerseits und verantwortungsvoller Bewertung andererseits, die sich auch in einer enormen Wertschätzung seiner Persönlichkeit widerspiegelte. Nach dem Tod von Reinhard Schulz wurden recht schnell Defizite hinsichtlich der Präsenz von Kritik neuer Musik in den verschiedenen Medien wahrgenommen.